EXPERTENRAT

Eine Räterepublik für den Dax

Deutsche Unternehmen nutzen das Wissen ihrer Kontrolleure viel zu wenig. Das ließe sich leicht ändern.   
Von Christoph Seibt 

Mul­ti­la­te­ra­lis­mus ist ein po­li­ti­scher Mo­de­be­griff ge­wor­den. In ei­ner Zeit der Un­si­cher­heit und Kom­ple­xi­tät steht er für die Vor­tei­le brei­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on auch über Sys­tem­gren­zen hin­weg. Mehr Mul­ti­la­te­ra­lis­mus täte auch deut­schen Un­ter­neh­men gut: Sie müss­ten drin­gend ihre Cor­po­ra­te-Go­ver­nan­ce-Struk­tu­ren auf­lo­ckern. So gibt es für die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Vor­stand und Auf­sichts­rat bis­lang ein Qua­si­mo­no­pol. Au­ßer­halb der for­ma­len Sit­zun­gen läuft fast al­les über die je­wei­li­gen Vor­sit­zen­den der bei­den Gre­mi­en. Vor­stän­de wer­den von ih­rem CEO noch im­mer häu­fig zu­recht­ge­wie­sen, wenn sie selbst den Kon­takt zu Auf­sichts­rä­ten su­chen.

Auf­sichts­rä­te von Dax-Un­ter­neh­men tref­fen sich in der Re­gel sechs- bis sie­ben­mal im Jahr. Der Deut­sche Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce Ko­dex sieht vor, dass da­zwi­schen prak­tisch nur die Vor­sit­zen­den von Vor­stand und Auf­sichts­rat ei­nen en­gen Kon­takt ha­ben sol­len, der Rest der Or­gan­mit­glie­der bleibt da­bei weit­ge­hend au­ßen vor. Aber die­ses Mo­no­pol ist ge­setz­lich nicht zwin­gend und vor al­lem nicht sinn­voll. So muss der Auf­sichts­rat die Stra­te­gie mit­be­glei­ten und we­sent­li­chen Ent­schei­dun­gen ins­be­son­de­re dann zu­stim­men, wenn sie sehr ris­kant sind. Also soll­te er in sei­ner Ge­samt­heit auch bes­ser ein­ge­bun­den und in­for­miert sein.

Sinn­voll wä­ren Di­rekt­ver­bin­dun­gen zwi­schen den Mit­glie­dern bei­der Gre­mi­en. Sie er­mög­lich­ten agi­le­res Han­deln so­wie eine ver­trau­ens­vol­le­re und of­fe­ne Un­ter­neh­mens­kul­tur. Ge­ra­de in High­tech­un­ter­neh­men gibt es Bei­spie­le, in de­nen das schon vor­bild­lich funk­tio­niert.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 7/2019.