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SCHREI VOR SCHRECK

SHORTSELLER Die Hedgefonds versetzen ihre Opfer in Angst und Hektik. Um mit ihrer Strategie auch als Privatanleger Geld zu verdienen, braucht es Feingefühl und starke Nerven.

ALAR­MIERT „Das Shor­ten der ster­ben­den er­mög­licht uns, jene Un­ter­neh­men zu hal­ten, die über­le­ben wer­den“, sagt Cris­pin Odey. Ge­ra­de wet­tet er ge­gen Wire­card.

Das Enig­ma des deut­schen Fi­nanz­mark­tes sitzt am 4. Juni um halb zwei auf ei­nem Sofa im ers­ten Stock des Ho­tels „Baye­ri­scher Hof“ und isst ein Klub­sand­wich. Cris­pin Odey (60), Mil­li­ar­där und Grün­der des Hedge­fonds Odey As­set Ma­nage­ment, hat sich in die Höh­le des Lö­wen ge­wagt: nach Mün­chen, an den Wohn­ort sei­nes ak­tu­ell ge­fähr­lichs­ten Ge­gen­spie­lers Mar­kus Braun (49), Mil­li­ar­där und Vor­stands­chef des Zah­lungs­dienst­leis­ters Wire­card.

Seit Odey mit viel Geld und Ver­ve auf fal­len­de Kur­se bei dem Dax-Mit­glied wet­tet – Wire­card also „shor­tet“, wie es im Jar­gon heißt –, in­ter­es­siert sich auch die Fi­nanz­com­mu­ni­ty in Deutsch­land für den Bri­ten. Und jetzt hockt er da, ein bul­li­ger, 1,90 Me­ter gro­ßer Mann, der eine erst­klas­si­ge Aus­bil­dung vor­wei­sen kann (Eli­te­pri­vat­schu­le Har­row, dann Ge­schichts­stu­di­um in Ox­ford). Das Ja­ckett ab­ge­legt, so­dass man die Ho­sen­trä­ger sieht, nimmt er sich vor dem Rück­flug nach Lon­don Zeit für das ers­te In­ter­view ei­nes der Short­sel­ler, die Wire­card seit Mo­na­ten at­ta­ckie­ren, aber bis­lang nie öf­fent­lich dar­über spra­chen.

Kurz zu­vor bei sei­nem Vor­trag auf der Va­lue In­tel­li­gence Con­fe­rence des Mün­che­ner Fonds­ma­na­gers Ste­fan Reh­der (54) frag­te schon ein Ban­ker im Pu­bli­kum, war­um Odey bei Wire­card short sei. Der Bri­te war gleich auf 180: Das Un­ter­neh­men tue nicht das, was es zu tun vor­ge­be, ant­wor­te­te Odey, er habe ge­nug Be­wei­se da­für ge­se­hen. Er habe Ein­spruch er­ho­ben ge­gen das Ver­bot von Kurs­wet­ten ge­gen Wire­card, das die Fi­nanz­auf­sicht Ba­Fin Mit­te Fe­bru­ar für zwei Mo­na­te ver­füg­te. Die Be­hör­de hat­te das mit Hin­wei­sen auf Kurs­ma­ni­pu­la­ti­on be­grün­det. Odey schloss dar­auf­hin ei­nen Teil sei­ner Wire­card-Shorts, die ihm bei ei­nem Kurs­kol­laps meh­re­re Mil­lio­nen Euro Ge­winn ein­ge­bracht hät­ten.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 7/2019.