UNTERNEHMEN

Ende einer Mesalliance

ROLAND BERGER Der abrupte Abgang des Chefs Charles-Edouard Bouée belegt: je hoffnungsfroher die Zeiten bei Deutschlands bekanntester Beraterfirma, umso härter die Rückschläge.

MON DIEU! Charles-Edouard Bouée gibt es im Pa­ri­ser Büro gleich zwei­mal: leib­haf­tig und als Kunst­fi­gur. Bei­de ha­ben bei Ber­ger kei­ne Zu­kunft mehr als Spit­zen­kraft.

Als die 230 Part­ner der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung Ro­land Ber­ger am 7. Juni ih­ren bis­he­ri­gen Chef ("mit heu­ti­ger Wir­kung") ver­lo­ren, ver­mit­tel­ten die Con­sul­tants den Ein­druck von Rei­bungs­lo­sig­keit ("Ab­stim­mung mit dem Auf­sichts­rat") und reif­li­cher Über­le­gung. Auch der Ab­gän­ger selbst, der Fran­zo­se Charles-Edouard Bouée (50), ließ sei­nen Rück­zug als gut ab­ge­han­ge­nen Teil sei­ner Le­bens­pla­nung er­schei­nen. Nach 18 Jah­ren Ber­ger wol­le er sei­ne Er­fah­rung und sein Netz­werk „für neue Her­aus­for­de­run­gen“ nut­zen.

Klingt gut. Das Schied­lich-Fried­li­che ist in­des nur die net­te üb­li­che Sprach­me­lo­die zum Ab­schied, in Wahr­heit hat der Exit tie­fer lie­gen­de Grün­de. Der Vor­stands­chef und die Part­ner ha­ben sich aus­ein­an­der­ge­lebt, von „schlei­chen­der Ent­frem­dung“ ist in­tern viel­fach die Rede. Hin­zu kam ein Vor­fall, der in der Grau­zo­ne der Com­p­li­an­ce spiel­te.

Bouée hat­te sich an ei­nem Fonds be­tei­ligt, der in das Ge­schäfts­feld künst­li­che In­tel­li­genz in­ves­tier­te. So weit kein Pro­blem, Geld­an­la­ge ist schließ­lich Pri­vat­sa­che. Aber Bouée hat dort of­fen­bar auch Steue­rungs­funk­tio­nen über­nom­men – das wäre ein Ver­stoß ge­gen sei­nen Ar­beits­ver­trag. Zu­dem war es für Au­ßen­ste­hen­de nicht trans­pa­rent ge­nug, ob es sich um ein pri­va­tes En­ga­ge­ment hand­le oder das Un­ter­neh­men Ro­land Ber­ger da­hin­ter­ste­he. Oben­drein hat­te Bouée sei­ne neue Tä­tig­keit der Fir­ma lan­ge ver­schwie­gen.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 8/2019.