LEBEN

KÄFIG MIT KOMFORT

WOHNEN Klein ist der Platz, hoch der Anspruch. „Micro-Living“ ist der heißeste Großstadttrend für Digitalos, Expats, Singles, Pendler – und Alte, die jung bleiben wollen.

PROT­AGO­NIST DER TINY-HOU­SE-BE­WE­GUNG Der aus Laos stam­men­de deut­sche Ar­chi­tekt Van Bo Le-Mentzel er­fand die 100-Euro-Woh­nung: 6,4 Qua­drat­me­ter, al­les drin, da­mit auch Men­schen mit we­nig Geld in der In­nen­stadt le­ben kön­nen.

Eine ei­ge­ne Woh­nung? Hilft ei­gent­lich nicht, dach­te Da­ni­el Lach­mann, als er aus Pe­king nach Ber­lin kam und nicht wuss­te, ob es bald schon wie­der zu­rück­ge­hen wür­de. Also mie­te­te sich der Un­ter­neh­mens­be­ra­ter, der für eu­ro­päi­sche Kun­den prüft, wel­che Chan­cen sie auf dem chi­ne­si­schen Markt ha­ben, in ei­ner WG von Hap­py Pi­ge­ons ein: 25-Qua­drat­me­ter-Zim­mer, schö­ne Mö­bel und auch sonst al­les da und ziem­lich schick. „Su­per“, dach­te sich Lach­mann, „da nimmst du dei­nen Kof­fer, gehst rein, und wenn du weg­musst, gehst du wie­der raus.“

Sei­ne Mit­be­woh­ner: Ben, Mit­te 20, ein New Yor­ker, der lan­ge in Ams­ter­dam ge­wohnt hat, Pro­gram­mie­rer bei ei­nem Start-up und ne­ben­bei DJ. Ju­lia, Per­so­nal-De­ve­lop­ment-Coa­chin, Com­mu­ni­ty-Ma­na­ge­rin; Emma, Ame­ri­ka­ne­rin, die ein Start-up für Mi­cro-Pay­ment-Sys­te­me in Afri­ka grün­den will. Neun Leu­te ins­ge­samt, alle di­gi­ta­le Bo­he­me, „fast kei­ner, der nicht als En­tre­pre­neur im Kopf un­ter­wegs ist und ver­sucht, sein ei­ge­nes Ding zu ma­chen“, sagt Lach­mann, mit 36 der Ältes­te hier. Sams­tags ist oft Com­mu­ni­ty-Din­ner. Put­zen muss hier kei­ner, ein­mal die Wo­che wird sau­ber ge­macht.

Zwei sol­cher En­tre­pre­neur-WGs be­treibt das Wohn-Start-up Hap­py Pi­ge­ons (über­setzt: Glück­li­che Tau­ben) in Prenz­lau­er Berg und eine in Char­lot­ten­burg. Schi­cke Alt­bau­woh­nun­gen mit Par­kett und Stuck­de­cke, teils un­ver­putz­te Back­stein­wän­de, 60er-Jah­re-Mö­bel, in der Kü­che ein gro­ßer Holz­tisch, an der Wand eine Ta­fel ("The Wall") mit Ter­mi­nen. Und in Oran­ge: „un­se­re Wer­te/​our va­lues"– als da er­war­tungs­ge­mäß wä­ren: Mul­ti­kul­ti ist Kult. Spre­ad good vi­bes! Wir wol­len dich (und nicht dei­ne Vi­si­ten­kar­te). Lea­ve the world (space) bet­ter than you found it. Zim­mer kos­ten ab 620 Euro. Un­ten im Prenz­lau­er-Berg-Haus ist ein Co-Working-Space, wo man abends zum Yoga oder Koch­kurs ge­hen kann, der Hips­ter-Eis­la­den „Ho­key Po­key“ ist gleich um die Ecke, Früh­stück bei „Sui­ci­de Sue“ auch. Will­kom­men in der Di­gi­tal­ob­la­se, aber avant­gar­dis­tisch wirkt es schon auch.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 8/2019.