DIE BESTENLISTE 2019

Frauenschwarm

Frauen haben 2019 die deutsche Wirtschaft geprägt wie nie zuvor. Wir stellen die 100 einflussreichsten vor.

MA­NA­GE­RIN­NEN


SA­BI­NE BEN­DIEK (53)

DIE BESTENLISTE 2019:

Watt und Wille

Die Energiefachfrau Anja-Isabel Dotzenrath pusht als CEO des grünen RWE den Wandel zum globalen Ökostromer.

Anja-Isa­bel Dot­zen­rath (53) sticht her­aus aus der Ma­na­ger­mas­se, al­lein schon we­gen ih­rer Kör­per­grö­ße: 1,80 Me­ter. Und eben­so in­halt­lich: Die Düs­sel­dor­fe­rin (im nie­der­ber­gi­schen Mett­mann ge­bo­ren) steht gleich für drei Pa­ra­dig­men­wech­sel im Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men RWE (121 Jah­re).

Als Che­fin der neu­en Spar­te Er­neu­er­ba­re En­er­gi­en re­prä­sen­tiert sie den Wan­del vom Koh­le­kon­zern zum Ökostro­mer; sie kann pro Jahr 1,5 Mil­li­ar­den Euro aus­ge­ben, etwa für Wind- und Son­nen­pro­jek­te. Zu­dem wird un­ter ih­rer Re­gie die Füh­rung deut­lich weib­li­cher; der Frau­en­an­teil im Re­ne­wa­bles-Board liegt bei 50 Pro­zent, wo­an­ders im RWE-Reich do­mi­nie­ren Män­ner. Und: Dot­zen­rath muss, ein­ma­lig in der En­er­gie­sze­ne, ei­nen tri­la­te­ra­len Mer­ger wup­pen, mit Leu­ten von Eon, dem RWE-Spin-off In­no­gy, al­les un­ter dem Dach von New RWE – „ein per­fek­ter Sturm“, sagt sie selbst: „Die kul­tu­rel­le In­te­gra­ti­on ist mein per­sön­li­ches Num­mer-eins-The­ma.“

Der Va­ter, ein In­ge­nieur, woll­te sei­nen Kin­dern die Lei­den­schaft für Na­tur­wis­sen­schaf­ten ver­mit­teln. Die Dot­zen­raths be­ka­men drei Töch­ter. Mach­te aber nichts. Car­re­ra- und Mo­dell­ei­sen­bahn wur­den an­ge­schafft, Che­mie- und Phy­sik­bau­käs­ten. Und auf dem Weg in den Öster­reich-Ur­laub mach­te die Fa­mi­lie Zwi­schen­sta­ti­on im Deut­schen Mu­se­um in Mün­chen. Der Fa­ra­day­kä­fig fas­zi­nier­te Anja-Isa­bel je­des Mal aufs Neue. Das al­les kommt ihr heu­te vor wie ein „Mas­ter­plan mei­ner El­tern“.

DIE BESTENLISTE 2019

Die Jägerin

Marion Helmes, einst erste CEO im MDax, ist heute eine der gefragtesten Aufsichtsrätinnen.

Den gro­ßen Auf­tritt mei­det Ma­ri­on Hel­mes (54). Lie­ber ein biss­chen re­ser­viert, da­mit ist sie gut ge­fah­ren bis­lang. Dass sie in ih­rem Le­ben ein paar Su­per­la­ti­ve hin­ge­legt hat, be­hält sie gern für sich.

2013 wur­de die Un­ter­neh­mer­toch­ter aus Em­me­rich der ers­te weib­li­che CEO bei ei­nem MDax-Kon­zern. Sie ver­kauf­te den Phar­ma­groß­händ­ler Ce­le­sio bald da­nach im Auf­trag der Ha­ni­el-Fa­mi­lie in die USA. Im Jahr dar­auf ran­gier­te sie dank der kom­plet­ten Aus­zah­lung ih­res Ver­trags und ei­nes von der dank­ba­ren Sip­pe üp­pig be­mes­se­nen Trans­ak­ti­ons­bo­nus mit ei­ner Ge­samt­ver­gü­tung von rund 18 Mil­lio­nen Euro auf Platz zwei der best­be­zahl­ten Ma­na­ger Deutsch­lands, über­trof­fen nur von Tho­mas Ebe­ling, da­mals Pro­Sie­ben­Sat.1.

Doch den Rest ih­res Le­bens am La­ger­feu­er von ih­ren Hel­den­ta­ten er­zäh­len? Nichts für Hel­mes: „Ich glau­be, dass es nicht zum Wohl von Un­ter­neh­men ist, wenn Ma­na­ger sich als Star po­si­tio­nie­ren.“ Ih­ren Vor­gän­ger bei Ce­le­sio hat­te selbst­ver­lieb­tes Ge­ha­be den Job ge­kos­tet. Hel­mes, die zu­nächst als Fi­nanz­vor­stän­din an­ge­heu­ert hat­te, brach­te den an­ge­streb­ten Ver­kauf im zwei­ten An­lauf ohne viel Auf­he­bens zu Ende. Auf ei­nen ope­ra­ti­ven Job mit all sei­nen Zwän­gen hat­te sie da­nach kei­ne Lust mehr, zu­mal sie in­zwi­schen öko­no­misch un­ab­hän­gig ist. Sie bau­te sich eine zwei­te Kar­rie­re auf, als Auf­sichts­rä­tin.

DIE BESTENLISTE 2019

Die Bessere

Im Frühjahr übernahm die Juristin Anna Maria Braun die Spitze von B. Braun Melsungen – anstelle ihres Bruders.

Anna Ma­ria Braun (40) muss für ih­ren Va­ter stets so et­was wie ein per­fek­ter Plan B ge­we­sen sein. Lan­ge stand die Zweit­ge­bo­re­ne im Schat­ten ih­res äl­te­ren Bru­ders Otto Phil­ipp (41), auf den Pa­tron Lud­wig Ge­org (76), seit Ewig­kei­ten Chef und heu­te Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der des Ge­sund­heits­dienst­leis­ters B. Braun Melsun­gen, sich fest­ge­legt zu ha­ben schien. Sie war stell­ver­tre­ten­des Vor­stands­mit­glied, als Otto Phil­ipp längst Teil der Kon­zern­spit­ze war. Sie muss­te sich wie ihre üb­ri­gen Ge­schwis­ter mit knapp 10 Pro­zent der Fir­men­an­tei­le zu­frie­den­ge­ben, wäh­rend Otto Phil­ipp mit gut 20 Pro­zent mehr als dop­pelt so vie­le Ak­ti­en kon­trol­lier­te. Am Ende aber mach­te der Pa­tri­arch die Toch­ter und nicht den Sohn zur neu­en Num­mer eins der 180 Jah­re al­ten Tra­di­ti­ons­adres­se.

War­um ihr Va­ter sie für die ge­eig­ne­te­re Lö­sung hält, mach­te Anna Ma­ria auf der Bi­lanz­pres­se­kon­fe­renz Ende März klar, bei der sie noch als ein­fa­ches Vor­stands­mit­glied auf­trat: „Wir wol­len ein ge­schlos­se­nes Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men blei­ben und vor al­lem aus ei­ge­ner Kraft wach­sen“, sag­te sie und ord­ne­te sich da­mit zwi­schen den Leit­plan­ken ein, die ihr Va­ter auf­ge­stellt hat­te.

An ge­nau die­sen Vor­ga­ben hat­te sich das Ver­hält­nis zwi­schen Lud­wig Ge­org und Otto Phil­ipp zer­schlis­sen. Der Sohn woll­te an­ders als der Va­ter die erz­kon­ser­va­ti­ve Fi­nan­zie­rungs­stra­te­gie auf­wei­chen, das Un­ter­neh­men für die Ka­pi­tal­märk­te öff­nen und vor al­lem die Me­di­zin­tech­nik durch Zu­käu­fe stär­ken.

DIE BESTENLISTE 2019

Nettwerken

Die Wirtschaftsprüferin Julie Teigland steigert bei EY die Umsätze und legt Wert auf Spaß bei der Arbeit.

Für ih­ren Ar­beit­ge­ber EY ist die Frau aus Mi­chi­gan, die seit 32 Jah­ren in Deutsch­land lebt, die bes­te Mar­ke­ting­waf­fe: an­ge­nehm im Um­gang, si­cher auf je­dem Po­di­um, im Dax und in Ber­lin bes­tens ver­netzt. Selbst Kon­kur­ren­ten be­wun­dern die Leich­tig­keit, mit der sie Kon­takt zu Men­schen auf­baut: „Spaß“ ist ihr wich­tig, an der Ar­beit und im Ver­hält­nis zum Kun­den.

Dass der lust­vol­le An­satz funk­tio­niert, be­wies Ju­lie Linn Tei­g­land (50) seit 2016 als Che­fin von Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz: Un­ter Füh­rung der Wirt­schafts­prü­fe­rin wuch­sen die Um­sät­ze ver­läss­lich, EY ge­wann et­li­che Dax-Man­da­te (VW, Deut­sche Bank, Luft­han­sa, Mu­nich Re), robb­te sich dicht an Markt­füh­rer PwC her­an und ließ KPMG hin­ter sich.

Seit Juli 2019 wen­det die Front­frau ihre Ma­nage­ment­kunst in grö­ße­rem Maß­stab an: Sie führt nun Eu­ro­pa, Afri­ka, den Mitt­le­ren Os­ten und In­di­en, 98 Län­der mit 14 Mil­li­ar­den Dol­lar Um­satz; zu­gleich ist sie Teil der glo­ba­len Ge­schäfts­füh­rung der Big-Four-Ge­sell­schaft.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 1/2020.