EDITORIAL

Der Charme der Soft Power

SVEN OLI­VER CLAU­SEN Chef­re­dak­teur

NATÜRLICH MUSS VOLKS­WA­GEN sehr schnell sehr at­trak­ti­ve, mit ge­schmei­di­gen Di­gi­tal­pa­ke­ten aus­ge­rüs­te­te Elek­tro­au­tos an­bie­ten. Aber wer weiß: Viel­leicht wird schon in we­ni­gen Jah­ren die Brenn­stoff­zel­le als der An­trieb der Zu­kunft aus­ge­ru­fen. Wirk­lich exis­ten­zi­ell ist für den welt­größ­ten Au­to­kon­zern da­her der­zeit gar nicht so sehr, ob der ID.3 (das E-Hoff­nungs­mo­dell aus Wolfs­burg) im Test ein biss­chen bes­ser oder schlech­ter ab­schnei­det als das Mo­del 3 von Tes­la. Son­dern dass der Gi­gant sei­ne Re­ak­ti­ons­ge­schwin­dig­keit er­höht, sei­ne In­no­va­ti­ons­freu­de und auch sei­ne Ver­knüp­fung in den Zeit­geist. Eine neue Vor­stands­ge­ne­ra­ti­on in Wolfs­burg hat er­kannt, dass es dazu et­was braucht, was die Obe­ren noch vor ein paar Jah­ren als Ge­döns ab­ge­tan ha­ben: eine völ­lig neue Füh­rungs­kul­tur; part­ner­schaft­li­cher, re­spekt­vol­ler. Es ist ein Wan­del, den mein Kol­le­ge Mi­cha­el Frei­tag, der Volks­wa­gen seit mehr als ei­nem Jahr­zehnt be­ob­ach­tet und der nicht zu Über­trei­bun­gen neigt, als ech­te Re­vo­lu­ti­on be­zeich­net. Wenn er denn ge­lingt. Für den ak­tu­el­len Vor­stands­vor­sit­zen­den Her­bert Diess, ei­nen ge­lern­ten Au­to­kra­ten, ist in dem neu­en Sys­tem je­den­falls kei­ne Stel­le mehr frei: „Sys­tem­wech­sel“, ab hier.

WOZU FORT­GE­SETZ­TE AL­LEINGÄNGE im Ex­trem­fall füh­ren kön­nen, zeigt sich auch im Reich der Rei­manns, des ver­mö­gends­ten Clans der Re­pu­blik (rund 30 Mil­li­ar­den Euro). De­ren Chef-Geld­ver­wal­ter Pe­ter Harf (74) hat die auf­re­gends­te deut­sche In­ves­to­ren­sto­ry des ver­gan­ge­nen Jahr­zehnts ge­schrie­ben. Mit schwin­del­er­re­gen­den Sum­men hat er Mar­ken von Welt­rang ge­kauft und in der JAB Hol­ding ge­bün­delt. Nun, da dem Mil­li­ar­därs­ma­cher zu­neh­mend Feh­ler un­ter­lau­fen, ver­stärkt er die Zen­tra­li­sie­rung so­gar noch. Wer nicht auf sein Kom­man­do hört, kann schon mal sein Mo­bil­te­le­fon um­mel­den. In der nun fast 50-jäh­ri­gen Ge­schich­te des ma­na­ger ma­ga­zins ha­ben wir schon häu­fi­ger Er­folgs­men­schen be­schrie­ben, die zum Ende ih­rer Kar­rie­re „ihr Le­bens­werk ver­spie­len“. Pe­ter Harf ist auf bes­tem Wege, ein be­son­ders spek­ta­ku­lä­rer Fall zu wer­den – und er wür­de die Rei­manns gleich mit­rei­ßen. Dass de­ren Ge­schich­te auch so schon vol­ler Tra­gik steckt, hat mei­ne Kol­le­gin Ur­su­la Schwar­zer bei ih­rer Re­cher­che eben­falls her­aus­ge­fun­den: „Ende ei­ner Le­gen­de“ – ab hier.

DIE PO­LA­RI­SIER­TE PO­LI­TI­SCHE STIM­MUNG und die „Black Li­ves Mat­ter“-Be­we­gung in den USA ha­ben dazu ge­führt, dass sich auch in Deutsch­land Un­ter­neh­men neu mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen: Wie viel Ras­sis­mus gibt es in der deut­schen Wirt­schaft? Mei­ne Kol­le­gin Eva Buch­horn hat mit Füh­rungs­kräf­ten, Vor­stän­den und Grün­dern ge­spro­chen, die sich in ih­rer Kar­rie­re not­ge­drun­gen sehr per­sön­lich mit dem The­ma aus­ein­an­der­set­zen muss­ten – we­gen ih­res Na­mens, ih­rer Haut­far­be oder ih­rer Her­kunft. Auf dem Weg nach oben kämp­fen Mi­gran­ten mit struk­tu­rel­len Be­nach­tei­li­gun­gen. Je hö­her in der Hier­ar­chie, des­to stär­ker. Zwar ha­ben vie­le Un­ter­neh­men in­zwi­schen Di­ver­si­ty-Kon­zep­te. Die De­bat­te könn­te nun aber end­lich dazu füh­ren, dass sie die auch um­set­zen. Buch­horns Re­port „Di­ver­se Top­leu­te“ über die neue deut­sche Eli­te mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund fin­den Sie ab hier.

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