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Der Kunde ist König

EY Dank der Persilscheine der Wirtschaftsprüfer konnte Wirecard sein Betrugssystem aufziehen. Das Versagen legt die Schwächen der Bilanzkontrolle in Deutschland gnadenlos offen.

MAN­GELN­DER DURCH­BLICK Mehr als eine De­ka­de lang prüf­ten die Trup­pen von EY-Deutsch­land-Chef Hu­bert Barth die Bü­cher von Wire­card. Alarm schlu­gen sie erst, als Ak­tio­nä­re und Gläu­bi­ger be­reits Mil­li­ar­den ver­lo­ren hat­ten.

Seit Mi­cha­el Jaf­fé (57) das Reich des Film­händ­lers Leo Kirch in sei­ne Ein­zel­tei­le zer­leg­te, gilt er als ein Groß­meis­ter sei­nes Fachs. Nun wid­met sich der Fach­an­walt für Steu­er- und In­sol­venz­recht den deut­schen Groß­meis­tern des fort­ge­schrit­te­nen Bi­lanz­be­trugs – und treibt da­bei, als eine Art Ne­ben­pro­dukt, die Wirt­schafts­prü­fer von EY von ei­ner Ver­le­gen­heit in die nächs­te.

Mit Da­tum vom 20. Au­gust hin­ter­leg­te Jaf­fé als Kon­kurs­ver­wal­ter sei­ne Ver­si­on vom Auf­stieg und Fall der ver­meint­li­chen Wund­er­fir­ma Wire­card beim Amts­ge­richt Mün­chen. Der 360 Sei­ten star­ke In­sol­venz­be­richt lässt sich auch als An­kla­ge­schrift ge­gen EY le­sen, die Wire­cards zu­neh­mend ins Fik­tio­na­le ab­drif­ten­de Bi­lan­zen jah­re­lang ab­ge­seg­net hat­ten.

Al­lein in den et­was mehr als fünf Jah­ren zwi­schen Ende 2014 und An­fang April 2020 fie­len Jaf­fés Ab­hand­lung zu­fol­ge ope­ra­ti­ve Ver­lus­te von rund 750 Mil­lio­nen Euro an statt der in den Bi­lan­zen tes­tier­ten 1,9 Mil­li­ar­den Euro Ge­winn. Statt ei­nes Fir­men­ver­mö­gens von 5,9 Mil­li­ar­den fan­den Jaf­fés Leu­te le­dig­lich wert­hal­ti­ge Po­si­tio­nen von 428 Mil­lio­nen Euro vor. Und die Bar­geld­vor­rä­te schrumpf­ten von 3,3 Mil­li­ar­den Euro im zu­letzt ver­öf­fent­lich­ten Quar­tals­be­richt auf spär­li­che 27 Mil­lio­nen Euro – bei ei­nem Schul­den­stand von 3,2 Mil­li­ar­den Euro.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 10/2020.