WIRTSCHAFTSKULTUR

Öko durch Fortschritt

Ein Umweltaktivist aus Kalifornien stellt grüne Glaubenssätze infrage.

MI­CHA­EL FOR FU­TURE Zu­letzt trat Shel­len­ber­ger auch bei der Gou­ver­neurs­wahl in Ka­li­for­ni­en an, al­ler­dings er­folg­los

Micha­el Shel­len­ber­ger (49) ge­hört zu ei­ner Spe­zi­es, die in Deutsch­land sel­ten vor­kommt: Als Ak­ti­vist, Fach­jour­na­list und Thinktan­ker kämpft er seit Jahr­zehn­ten für den Schutz der Um­welt, in­zwi­schen aber in Form ei­ner „Öko­mo­der­ne“. Kon­kret plä­diert der Ka­li­for­ni­er etwa für Plas­tik und Kern­kraft und wen­det sich in sei­nem neu­en Buch ge­gen ei­nen Öko­ex­tre­mis­mus, der selbst zur Ge­fahr für Men­schen und Na­tur ge­wor­den sei.

Shel­len­ber­ger ist kein Be­schwich­ti­ger oder Kli­maskep­ti­ker. Er schreibt un­po­le­misch, selbst­kri­tisch und trans­pa­rent. Sei­ne Leh­re: Nur der Fort­schritt ret­tet die Na­tur. Sei­ne Ar­gu­men­te be­zieht er aus dem Main­stream der Wis­sen­schaft (al­lein die Fuß­no­ten zu den ver­wen­de­ten Quel­len um­fas­sen mehr als 100 Sei­ten), der Ge­schich­te und aus sei­nen Rei­sen an die Front­li­ni­en der Um­welt­zer­stö­rung – Dör­fer in Asi­en oder die Go­ril­la-Schutz­ge­bie­te im Kon­go. Einst er­setz­te Erd­öl das Wal­öl, Kunst­stoff das Schild­patt und El­fen­bein. Heu­te brau­che Afri­ka Gas statt der na­tur­na­hen Holz­koh­le, die rui­nös ist für Mensch und Wald.

Man­ches mag strit­tig sein. Zen­tral bleibt die Kri­tik am al­les durch­drin­gen­den Pa­ra­dig­ma des gän­gi­gen Öko­den­kens: Die Zi­vi­li­sa­ti­on gilt als das Pro­blem – das Zu­rück zu ei­ner my­thisch hei­len Na­tur als die ein­zi­ge Ret­tung vor der Apo­ka­lyp­se. Shel­len­ber­ger nennt das die „sä­ku­la­re Re­li­gi­on der ge­bil­de­ten Mit­tel­schicht­eli­ten“.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer manager-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 10/2020.