EDITORIAL

Einmal Hölle und zurück

MAR­TIN NOÉ Chef­re­dak­teur

BIS VOR KUR­ZEM HAT­TE KREUZ­FAHRTKÖNIG Ar­nold Do­nald (65) ei­gent­lich nur eine Sor­ge: Wie kom­me ich schnell an neue Schif­fe? Den Chef des Welt­markt­füh­rers Car­ni­val, zu dem auch die deut­sche Li­nie Aida ge­hört, be­schäf­tig­te „eine Un­ter­ver­sor­gung mit Kreuz­fahr­ten“ in al­ler Welt. Do­nalds Lu­xus­pro­blem ist ei­ner ech­ten Not­la­ge ge­wi­chen. We­gen Co­ro­na ste­hen die Spaß­damp­fer still – und ver­schlin­gen Mil­li­ar­den. Die Schick­sals­fra­ge lau­tet jetzt: Wie lan­ge hal­ten wir das noch durch? Kaum eine Bran­che ist von der Pan­de­mie so hart be­trof­fen wie die Tou­ris­tik. Das Lei­den zieht sich um den Erd­ball und durch alle Seg­men­te – vom Rei­se­bü­ro an der Ecke bis zum glo­ba­len Por­tal, vom Ver­gnü­gungs­ree­der bis zum Ver­an­stal­ter. Be­son­ders schwer ge­trof­fen ist der Alt­meis­ter der klas­si­schen Pau­schal­rei­se, die Tui – in Deutsch­land be­hei­ma­tet, in Lon­don an der Bör­se. Nur mit hoch ver­zins­ten Staats­kre­di­ten hält Kon­zern­chef Fritz Jous­sen (57) sei­nen La­den bis­her über Was­ser und braucht nun drin­gend wie­der fri­schen Auf­trieb.

Das Rei­sen wird wie­der­kom­men – aber nicht je­des tou­ris­ti­sche Ge­schäfts­mo­dell. Wer in den Ab­grund schaut, auf wen die In­ves­to­ren set­zen und wem wir in Zu­kunft un­se­re schöns­ten Wo­chen des Jah­res an­ver­trau­en wer­den, le­sen Sie in der Ti­tel­ge­schich­te von mm-Re­por­ter Mi­cha­el Machatsch­ke, „Him­mel, hilf!“ (zur Ge­schich­te).

ES IST 20 JAH­RE HER, DA GLÄNZTE TEN­GEL­MANN als ei­ner der größ­ten Han­dels­kon­zer­ne der Welt. Die In­ha­ber­fa­mi­lie Haub wur­de ver­ehrt, auch dann noch, als die Ge­schäf­te im­mer schlech­ter lie­fen und sie die Le­bens­mit­tel­lä­den ver­kauf­te. Schon da­mals bro­del­te es zwi­schen El­tern, Söh­nen und de­ren Ehe­frau­en. Seit dem Ver­schwin­den von Fir­men­chef Karl-Eri­van, ge­nannt Char­ly, im Mat­ter­horn-Ge­biet am Mor­gen des 7. April 2018 über­zie­hen sich die Haubs gna­den­los mit ge­gen­sei­ti­gen Vor­wür­fen. Alle ha­ben Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­ra­ter man­da­tiert so­wie die teu­ers­ten Ju­ris­ten der Re­pu­blik. Im­mer­hin sind, trotz al­lem, noch rund 5,3 Mil­li­ar­den Euro Ver­mö­gen zu ver­tei­len so­wie die Macht über Han­dels­ket­ten wie Obi und Kik. Wer sich mit den Ab­grün­den be­schäf­tigt, lan­det bei Pri­va­ter­mitt­lern, Er­pres­sern und heim­li­chen Ge­lieb­ten; vie­le Spu­ren füh­ren nach Russ­land. Man­che Weg­ge­fähr­ten glau­ben in­zwi­schen nicht mehr an ei­nen Ski­un­fall. Un­ter dem Ver­schwin­den Char­lys und den Fol­gen lei­den vor al­lem des­sen Zwil­lin­ge Vik­to­ria und Eri­van (27). Mei­ne Kol­le­gen Mar­tin Meh­rin­ger und Ur­su­la Schwar­zer ha­ben sich mit den bei­den un­ter­hal­ten, ge­nau­so wie mit de­ren Ge­gen­spie­ler Chris­ti­an Haub (56). Aus den Ge­sprä­chen und vie­len wei­te­ren Re­cher­chen ist ein Be­richt aus der Fa­mi­li­en­höl­le ent­stan­den: „Stun­de der Re­van­che“ (zur Ge­schich­te).

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 12/2020.