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AUF DIE HARTE TOUR

ALLIANZ Konzernchef Bäte feiert seine Erfolge als Sparkommissar und Machtstratege. Europas größter Versicherer hat unter ihm allerdings merklich an Tempo verloren. Büßen müssen es jetzt die Kunden.

UND RAUS BIST DU Oli­ver Bäte tausch­te sei­nen Vor­stand na­he­zu kom­plett aus und füll­te ihn mit ei­ge­nen Ge­folgs­leu­ten auf. Der an­ge­kün­dig­te Ef­fi­zi­enz- und Wachs­tums­schub blieb den­noch aus.

Chris­ti­an Schot­ten­ha­mel (58), ein an­ge­se­he­ner Mün­che­ner Groß­gas­tro­nom, bun­des­weit be­kannt zu­dem durch das jähr­li­che „Po­li­ti­ker-Derble­cken“ in sei­nem „Pau­la­ner am Nock­her­berg“, hät­te zum Hel­den sei­ner Zunft wer­den kön­nen. Als die Al­li­anz sich wei­ger­te, ihm den Scha­den zu er­set­zen, den er durch die sechs­wö­chi­ge Schlie­ßung sei­nes Wirts­hau­ses im ers­ten Co­ro­na-Lock­down er­lit­ten hat­te, zog Schot­ten­ha­mel vor Ge­richt: 1,1 Mil­lio­nen Euro woll­te er von Eu­ro­pas größ­tem Ver­si­che­rungs­kon­zern. Das Land­ge­richt Mün­chen stell­te schnell in Aus­sicht, Schot­ten­ha­mel recht zu ge­ben. Übe­r­all in Bay­ern war­te­ten Wir­te und Ho­te­liers in vor­freu­di­ger Span­nung auf die Ur­teils­ver­kün­dung Ende Ok­to­ber. Um da­nach gut ge­rüs­tet selbst auf die Al­li­anz und ihre an­de­ren Ver­si­che­rer zu­zu­ge­hen.

Doch ei­nen Tag vor dem Ge­richts­ter­min ei­nig­ten sich Schot­ten­ha­mel und die Al­li­anz. Über De­tails ver­ein­bar­ten sie Still­schwei­gen, wie üb­lich in sol­chen Fäl­len. Für Schot­ten­ha­mel, der auch das tra­di­ti­ons­rei­che Fest­zelt glei­chen Na­mens auf dem Ok­to­ber­fest be­treibt, eine leich­te Übung: Wie ma­na­ger ma­ga­zin von In­si­dern er­fuhr, zahlt ihm der Kon­zern knapp eine Mil­li­on Euro. We­der Schot­ten­ha­mel noch die Al­li­anz wol­len sich zu dem Ver­gleich äu­ßern.

Vie­le Wir­te und Ho­te­liers sind spä­tes­tens seit­dem nicht mehr gut auf den Groß­gas­tro­no­men zu spre­chen. Der fun­giert näm­lich auch als ers­ter stell­ver­tre­ten­der Be­zirks­vor­sit­zen­der des Baye­ri­schen Ho­tel- und Gast­stät­ten­ver­bands, der im Früh­jahr ei­nen aus Bran­chen­sicht ziem­lich fau­len Kom­pro­miss mit den Ver­si­che­rern aus­han­del­te: Nach dem so­ge­nann­ten baye­ri­schen Mo­dell sol­len die Ver­si­che­rer, al­len vor­an die Al­li­anz, die Be­trie­be für die zwangs­wei­se Schlie­ßung le­dig­lich mit ei­nem pau­scha­len Satz zwi­schen 10 und 15 Pro­zent der ur­sprüng­lich ver­ein­bar­ten Ta­ges­sät­ze ab­fin­den. Wer das nicht ak­zep­tie­ren will, muss sich eben durch die In­stan­zen kla­gen. Al­lein 130 Gast­wir­te und Ho­te­liers ha­ben sich auf­ge­macht, ge­gen die Al­li­anz zu Fel­de zu zie­hen. In­ne­grit Volk­hardt (55) etwa, die Che­fin des „Baye­ri­schen Hofs“ in Mün­chen, will 6,2 Mil­lio­nen Euro von der Al­li­anz. Dör­te Mä­der (65), Ge­schäfts­füh­re­rin des „Ries­s­er­see Ho­tels“ in Gar­misch-Par­ten­kir­chen, hat An­sprü­che von mehr als 600.000 Euro an­ge­mel­det und will den Streit bis zum Ende vor Ge­richt aus­fech­ten. Sie fin­det die Ver­wei­ge­rungs­hal­tung der Al­li­anz, die in die­sem Jahr noch vier Mil­li­ar­den Euro Di­vi­den­de für ihre An­teils­eig­ner üb­rig hat­te, schlicht „un­an­stän­dig": „Mein Ver­trau­en in den lang­jäh­ri­gen Part­ner ist kom­plett zer­stört.“

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 12/2020.