EDITORIAL

Geld und Moral

MAR­TIN NOÉ Chef­re­dak­teur

IM SOM­MER 2003 hat ma­na­ger-ma­ga­zin-Re­por­ter Diet­mar Pa­lan zum ers­ten Mal über die da­mals schon ra­sant stei­gen­den Ge­häl­ter von Vor­stän­den be­rich­tet. Zu die­ser Zeit lag der Durch­schnitts­ver­dienst ei­nes Dax-Chefs bei 2,1 Mil­lio­nen Euro. Seit­dem hat die Ber­li­ner Po­li­tik zwei­mal ver­sucht, Ge­halts­brem­sen ins Ak­ti­en­ge­setz ein­zu­zie­hen, um die Em­pö­rung der Nor­mal­ver­die­ner in Gren­zen zu hal­ten. Das Er­geb­nis: na­he­zu eine Ver­drei­fa­chung. Heu­te ver­dient der Vor­stands­chef ei­nes Dax-Kon­zerns durch­schnitt­lich knapp 6 Mil­lio­nen Euro, Sie­mens-Chef Joe Ka­e­ser (62) wird für 2019 gut 14 Mil­lio­nen Euro ein­strei­chen. Auch die jüngs­te ge­setz­lich ver­ord­ne­te Re­form der Ver­gü­tungs­sys­te­me kann die Ge­halts­sum­men in den To­pe­ta­gen nicht de­ckeln, hat Diet­mar Pa­lan nun her­aus­ge­fun­den: „Die Ver­gü­tun­gen wer­den stei­gen, da­für sor­gen der Markt, die Ak­tio­nä­re und aus­ge­rech­net ei­ni­ge der Neu­re­ge­lun­gen.“ Un­se­re Ti­tel­ge­schich­te „Män­ner im Geld­re­gen“ bie­tet Zünd­stoff für die Ge­rech­tig­keits­de­bat­te, ab hier.

ALS MEIN KOL­LE­GE PHIL­IPP AL­VA­RES DE SOU­ZA SOA­RES mit sei­ner Re­cher­che zum Mo­de­the­ma Pur­po­se be­gann, dach­te er, es han­de­le sich vor al­lem um Ho­kus­po­kus. Und tat­säch­lich emp­fiehlt sich Miss­trau­en, wenn Un­ter­neh­men an­fan­gen, öf­fent­lich zu mo­ra­li­sie­ren. Doch je tie­fer wir in das The­ma vor­stie­ßen, des­to mehr zeig­te sich: Wer sein Ge­schäft vor der Öffent­lich­keit nicht als sinn­voll recht­fer­ti­gen kann, der ver­liert sehr schnell Ver­trau­en und Geld – ge­ra­de im Zeit­al­ter der Kli­ma­kri­se. In­ves­to­ren steu­ern ihr Ka­pi­tal um, jun­ge Ta­len­te su­chen sich an­de­re Ar­beit­ge­ber. Wahr­haf­tig­keit ist neu­er­dings ers­te Un­ter­neh­mens­pflicht. Kon­zer­ne wie Nest­lé, Sie­mens oder RWE müs­sen ihre Ge­schäfts­mo­del­le um­stel­len, nicht nur sprach­lich ver­klei­den – „Sinn­sa­la­bim“, ab hier.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer manager-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 2/2020.