LEBEN

Das Event ist alles

SPORT Fitness allein reicht nicht mehr. Die Welt scheint voller verhinderter Olympioniken. Für sie entstehen neue Wettkampfserien, die vor allem eins sind: eine gute Show.

Sams­tag­nach­mit­tag, auf die Mi­nu­te ge­nau 16 Uhr 10. Jan Bech­ler (39) star­tet. Er steht in der Ham­bur­ger Mes­se­hal­le in ei­ner Trup­pe von 30 Leu­ten, un­ter ei­nem auf­ge­bla­se­nen dun­kel­blau­en Tri­umph­bo­gen aus Plas­tik, ei­nen Chip ums Fuß­ge­lenk zum Zeit­mes­sen. 10, 9, 8 ... der Star­ter zählt run­ter, Bech­ler läuft los. Mor­gens hat der Grün­der und Chef der Di­gi­ta­l­agen­tur Fin­c3 mit 85 Mit­ar­bei­tern in Ham­burg und Bra­tis­la­va sich Por­ridge mit Ha­fer­milch ge­macht, mit­tags Nu­deln. Er weiß, was kommt, es ist sein drit­tes Mal, sein Ziel: den Par­cours un­ter ei­ner Stun­de und 25 Mi­nu­ten zu ab­sol­vie­ren.

Ei­nen Ki­lo­me­ter lau­fen, dann ab­bie­gen und was das Zeug hält am Ski-Er­go­me­ter zie­hen, bis „1000 Me­ter“ im Dis­play steht, dann wie­der ei­nen Ki­lo­me­ter lau­fen. 16:25, Bech­ler schiebt ei­nen Schlit­ten über den Filz­bo­den, be­la­den mit 125 Kilo. 16:57, 80 Me­ter Bur­pees (ein Mix aus Knie­beu­ge, Streck­sprung und Lie­ge­stüt­ze). Bech­lers Freun­din steht am Rand, sie war vor­her dran (ihre Zeit: eine Stun­de, 36 Mi­nu­ten), nun feu­ert sie ihn an, „Los, Jan, du schaffst das.“ Es fol­gen: Sand­sack und Ge­wich­te schlep­pen, Ru­dern, zum Schluss „Wall Balls“ (Knie­beu­ge und 100 Wür­fe ge­gen die Wand mit ei­nem Neun-Kilo-Me­di­zin­ball) – acht „Work-outs“ ins­ge­samt und acht­mal 1000 Me­ter lau­fen.

Das Gan­ze bei brül­lend lau­ter Par­ty­mu­sik. Seit acht Uhr mor­gens geht das so. Alle zehn Mi­nu­ten ein Start, jetzt am Nach­mit­tag ist die Hal­le voll mit gut ge­laun­ten Leu­ten in Sport­kla­mot­ten, oft be­druckt mit Team­na­men (Flens­Sharks, Kai­fu Lodge Rock­stars) oder pro­gram­ma­ti­schen Mot­tos: „If it doe­s­n't chal­len­ge you, it doe­s­n't chan­ge you.“ Fit­ness­in­flu­en­ce­rin­nen sind mit ih­rer Mä­dels-Crowd da­bei. Fes­ti­val­fee­ling. Erst nach zehn Uhr abends ist Schluss.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 2/2020.