MAGISCHES VIERECK

Gefährlicher Bullshit

Die Menschen verlieren das Gespür für Wahrheit. Der wachsende Einfluss von Populisten wird das Geschäft der Wirtschaft erschweren.
Von Henrik Müller

Demo­kra­ti­en sind auf Wahr­heit ge­grün­det. Na­tio­nen müs­sen in der Lage sein, ih­ren Zu­stand zu er­ken­nen. Nur dann kön­nen sie an­ge­mes­se­ne Lö­sun­gen für real exis­tie­ren­de Pro­ble­me fin­den. Ge­lingt dies nicht mehr, wird die Po­li­tik ori­en­tie­rungs­los und er­ra­tisch. Der Auf­stieg des Po­pu­lis­mus und das plötz­li­che Auf­tau­chen von Pro­test­be­we­gun­gen (von Pe­gi­da über die Lea­ve-Kam­pa­gne der Brex­i­teers und die Gelb­wes­ten in Frank­reich bis zu mi­li­tan­ten Kli­ma­kämp­fern von Extinc­tion Re­bel­li­on) sind Sym­pto­me des schwin­den­den Ge­spürs für Wahr­heit. Kurz­schluss­po­li­tik, die auf mo­men­ta­ne Stim­mungs­auf­wal­lun­gen re­agiert und Ri­si­ken und län­ger­fris­ti­ge Ne­ben­wir­kun­gen aus­blen­det, ist die Fol­ge.

Mehr­hei­ten der Bür­ger sind in­zwi­schen da­von über­zeugt, häu­fig mit Nach­rich­ten kon­fron­tiert zu sein, die falsch sind oder die Rea­li­tät ver­fälscht wie­der­ge­ben. In den al­ten west­li­chen De­mo­kra­ti­en Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en sind mehr als drei Vier­tel die­ser An­sicht, eben­so in Spa­ni­en. In Deutsch­land ist es im­mer­hin mehr als die Hälf­te (sie­he Gra­fik „Er­heb­li­ches Miss­trau­en"). Es geht da­bei nicht nur um „Fake News“, also ge­zielt ge­streu­te Falsch­mel­dun­gen und Ge­rüch­te, son­dern auch um kor­rek­te Dar­stel­lun­gen, die ir­ri­ger­wei­se für falsch ge­hal­ten wer­den; vie­le Bür­ger ge­ben an, dass sie kaum zwi­schen fal­schen und wah­ren In­for­ma­tio­nen zu un­ter­schei­den ver­mö­gen. Be­sorg­nis­er­re­gen­de Be­fun­de.

Zu­ge­ge­ben, die Wahr­heit zu er­ken­nen ist schwie­rig ge­wor­den. Wir sind mit hoch­kom­ple­xen Sys­te­men kon­fron­tiert. Ster­ben die In­sek­ten wirk­lich aus? Und wenn ja, war­um? Ist die Deut­sche Bank sys­tem­re­le­vant, und ent­eig­net die EZB tat­säch­lich die deut­schen Spa­rer? Wer pro­fi­tiert, wenn Groß­bri­tan­ni­en aus der EU aus­tritt? Ist der men­schen­ge­mach­te Kli­ma­wan­del zi­vi­li­sa­ti­ons­ge­fähr­dend? Und wenn ja, könn­te ein Tem­po­li­mit auf deut­schen Au­to­bah­nen oder der in­di­vi­du­el­le Ver­zicht auf Fleisch­ver­zehr dar­an et­was än­dern? Wie wir­ken sich Han­dels­z­öl­le oder ein Mie­ten­de­ckel aus? Und ist die Elek­tro­mo­bi­li­tät der Kö­nigs­weg für die Au­to­in­dus­trie oder eine Sack­gas­se? Der­ar­ti­ge Fra­gen se­ri­ös zu be­ant­wor­ten er­for­dert spe­zi­fi­sches Wis­sen, über das, bes­ten­falls, Spe­zia­lis­ten ver­fü­gen.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 2/2020.