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VOM WINDE VERWEHT

ENERCON Cliquenwirtschaft, Starrsinn und eine überforderte Eigentümerfamilie: Die Krise des niedersächsischen Windanlagenbauers ist hausgemacht – erschreckende Innenansichten aus dem einstigen Vorzeigebetrieb der Energiewende.

ALARM­STU­FE ROT Lan­ge gal­ten Wind­kraft­an­la­gen von En­er­con, wie hier in Nau­en, Bran­den­burg, als die bes­ten der Welt. Aber die Fir­ma hat ih­ren Vor­sprung ver­spielt und schreibt mas­si­ve Ver­lus­te.

Für Si­mon-Her­mann Wob­ben (37) schien der Tag wie ge­schaf­fen, mal wie­der den grü­nen Wel­ten­ret­ter zu ge­ben. Meh­re­re Hun­dert Gäs­te war­te­ten an die­sem Sonn­tag An­fang Sep­tem­ber 2018 in ei­nem ei­gens auf­ge­bau­ten Zelt, um die Er­öff­nung ih­res Wind­parks zu fei­ern. Ein gro­ßes Er­eig­nis für Lo­rup, ei­nen Wei­ler im Ems­land mit 3234 Ein­woh­nern – und 23 neu­en Wind­kraft­an­la­gen der Mar­ke En­er­con.

Co-Ge­schäfts­füh­rer Wob­ben, der Nef­fe des Fir­men­grün­ders, schien gu­ter Stim­mung. Bis sich ihm eine De­le­ga­ti­on der IG Me­tall aus 80 Män­nern und Frau­en samt Kin­dern in den Weg stell­te, um über die 800 Ent­las­sun­gen zu spre­chen, die En­er­con ge­ra­de ver­fügt hat­te. Wob­bens Star­gast, Nie­der­sach­sens Um­welt­mi­nis­ter Olaf Lies (52; SPD), gab den Mitt­ler, bat die Me­tal­ler zu Kaf­fee und Ku­chen und reg­te an, ein Ge­spräch mit Wob­ben kön­ne ja nach der Fei­er statt­fin­den. Doch als Lies den An­füh­rer der Me­tal­ler und Wob­ben ein­an­der vor­stell­te, zog der En­er­con-Boss wie an­ge­ekelt die Hand weg.

Als Wob­ben dann mit sei­ner Rede dran war, igno­rier­te er sein Ma­nu­skript, dank­te knapp In­ves­to­ren und Kom­mu­ne, pes­te­te ge­gen die un­ge­be­te­nen Gäs­te, sprang von der Büh­ne und zwäng­te sich un­ter der Zelt­pla­ne hin­durch ins Freie, wo ein SUV mit lau­fen­dem Mo­tor auf ihn war­te­te. Weg hier, bloß weg.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 3/2020.