UNTERNEHMEN

Notarzt der Krise

ARNDT GEIWITZ Lufthansa, Galeria Karstadt Kaufhof oder Bogner: Wenn es um Leben oder Tod geht in der deutschen Wirtschaft, ist der Mann nicht weit. Das Porträt eines Konsensverwalters.
Von Martin Mehringer

MANN DER STUN­DE Arndt Gei­witz, ge­schei­tert bei Schle­cker, nun ge­fragt wie nie

Es ist 5.30 Uhr an ei­nem Mitt­woch­mor­gen An­fang Mai, als ein schwar­zer Mer­ce­des-Klein­bus vor ei­nem Haus auf den Hü­geln Ulms hält. Aus der Däm­me­rung tritt ein hoch auf­ge­schos­se­ner Mann und springt in den Fond. Die Zeit drängt. Vier­ein­halb Stun­den spä­ter schwenkt der Wa­gen von der A52 ab in Rich­tung Es­sen-Süd und parkt vor der Zen­tra­le von Ga­le­ria Kar­stadt Kauf­hof, je­nem Not lei­den­den Wa­ren­haus­kon­zern, den der Mann auf der Rück­bank ret­ten soll: Arndt Björn Gei­witz (51). Auf der Fahrt hat der Mann, auf dem so gro­ße Hoff­nun­gen ru­hen, te­le­fo­niert, über ei­nen gro­ßen Bild­schirm Vi­deo­kon­fe­ren­zen ge­führt und Schlaf nach­ge­holt. Der um­ge­rüs­te­te Klein­bus ist mo­bi­les Büro und ein Stück Zu­hau­se, ein Le­ben auf 5140 Mil­li­me­ter Län­ge. Wo er vor­fährt, brennt es.

Seit zehn Jah­ren ist Gei­witz so un­ter­wegs. An­ders wür­de er sein Pen­sum nicht schaf­fen. Durch die Öffent­lich­keit ist sein Name erst ein­mal ge­fla­ckert – vor acht Jah­ren, als In­sol­venz­ver­wal­ter des Dro­ge­ri­e­im­pe­ri­ums Schle­cker. Da­nach ist er wie­der ab­ge­taucht in sein dunk­les Ge­fährt und ab­ge­dun­kel­te Vor­stands­bü­ros und zum Con­si­glie­re der Mäch­ti­gen auf­ge­stie­gen. Sie ru­fen ihn, wenn das Geld aus­geht. So wie die­ser Tage auch Luft­han­sa-Chef Cars­ten Sp­ohr (53). Vom Mit­tel­ständ­ler bis zum Dax-Kon­zern, Gei­witz mischt über­all mit – und mit der Co­ro­na-Kri­se steigt sein Ein­fluss wie eine Fie­ber­kur­ve.

In Es­sen war­tet ein Tag voll­ge­packt mit Be­spre­chun­gen. Gei­witz, beim Wa­ren­haus­di­no als Ge­ne­ral­be­voll­mäch­tig­ter mit al­ler Macht aus­ge­stat­tet, die er braucht, ist es wich­tig, vor Ort zu sein; er will Men­schen, mit de­nen er ar­bei­tet, in die Au­gen schau­en, ihre Re­ak­tio­nen be­ob­ach­ten. Nur René Ben­ko (43), der Un­ter­neh­mer aus Öster­reich, der sich für „die größ­te In­te­gra­ti­on der deut­schen Han­dels­ge­schich­te“ fei­er­te und nun vor ei­nem Scher­ben­hau­fen steht, wird zu­ge­schal­tet.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 6/2020.