SI­CHER­HEITS­LA­GE Der Te­gern­see, im Volks­mund Lago di Bon­zo, gilt Un­ter­neh­mern und Spit­zen­wis­sen­schaft­lern als Zu­fluchts­stät­te

LEBEN

DEUTSCHE FREILUFT­BUNKER

FLUCHTRÄUME Die Corona-Katastrophe fördert auch die Ängste und Phobien der deutschen Upperclass zutage. Eine Besichtigungstour zu ausgewählten Schauplätzen.

Der Atom­bun­ker muss­te sein. Als Her­bert Hen­z­ler (78), drah­ti­ge Sta­tur, strah­lend blaue Au­gen, im Ho­lo­zän der Deutsch­land AG Statt­hal­ter von McK­in­sey, heu­te im­mer noch glo­bal un­ter­wegs als In­ves­tor, Auf­sichts­rat, Be­ra­ter, pro­fes­so­ra­ler Lehr­meis­ter, Zu­hö­rer und Er­zäh­ler, je­den­falls als er 1984 sein statt­li­ches Haus am Kitz­bü­he­ler Le­ben­berg bau­te, schrieb die Bau­ord­nung noch den Bun­ker vor. Ein per­fi­des Aus­le­se­kri­te­ri­um, das da ge­sen­det wur­de: Nur wer sich auch das noch leis­ten konn­te, be­kam Zu­gang zum ös­ter­rei­chi­schen No­bel­ort, som­mers wie win­ters Großquar­tier der deut­schen Wirt­schafts­eli­te.

Hen­z­ler der­weil, ob­wohl ge­prägt von Nach­kriegs­not und den Zei­ten ato­ma­rer Be­dro­hung, hielt nichts von sei­ner un­ter­ir­di­schen Fes­tung; nach und nach funk­tio­nier­te er sie um. „Des isch längs­cht ein gut ge­füll­ter Wein­kel­ler“, schwä­belt er, ohne jede Ko­ket­te­rie.

Wird im Zei­chen von Co­vid-19 aus dem he­do­nis­ti­schen De­pot nun schnells­tens wie­der ein Über­le­bens­schutz­raum, samt üp­pig be­stück­tem Vor­rats­la­ger, in dem ne­ben Toi­let­ten­pa­pier tief­ge­fro­re­ne Bio­hüh­ner und Wild­schwein­bra­ten lie­gen? Wird Hen­z­ler dem­nächst auf sei­nem gro­ßen Grund­stück ne­ben dem re­ak­ti­vier­ten Bun­ker auch ei­nen Brun­nen boh­ren, auf dem Dach eine Fo­to­vol­ta­ik­an­la­ge mon­tie­ren? Für die nächs­te, wo­mög­lich noch schlim­me­re Ka­ta­stro­phe, die viel­leicht schon um die Ecke lau­ert?

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 6/2020.