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Gezinkte Karten

WIRECARD Ex-Chef Markus Braun muss mit milliardenschweren Klagen rechnen. Der Dax-Konzern, den er schuf, kämpft um seine Existenz. Wirtschaftsprüfer und Behörden stehen blamiert da.

DER GE­FAL­LE­NE STAR Mar­kus Braun stand 18 Jah­re an der Wire­card-Spit­ze. Hat er falsch­ge­spielt?

Wire­card-Chef Mar­kus Braun (50) steht da wie frü­her die Band­mit­glie­der von Kraft­werk vor ih­ren Syn­the­si­zern. Der Ober­kör­per in Roll­kra­gen­pull­over und Sak­ko fast un­be­weg­lich, die Arme zur Sei­te ge­spreizt, nur die Hän­de in Be­we­gung. Sie um­fas­sen den Tisch vor ihm im­mer wie­der an­ders – als ob er sich warm macht, um in die Tas­ten zu grei­fen.

Es ist An­fang Mai, we­ni­ge Tage nach der Ver­öf­fent­li­chung ei­nes Son­der­gut­ach­tens. Es soll­te den Zah­lungs­dienst­leis­ter, eine der we­ni­gen Tech­hoff­nun­gen im Dax, end­gül­tig von den Vor­wür­fen be­frei­en, Zah­len und Ge­schäf­te zu ma­ni­pu­lie­ren. Es soll­te der Ak­tie wie­der zu Kurs­ge­win­nen ver­hel­fen. Das Ge­gen­teil ist pas­siert, mit den Ti­teln geht es ab­wärts. Denn die Prü­fer von KPMG be­schrei­ben in ih­rem Re­port Merk­wür­dig­kei­ten und die Un­wil­lig­keit Wire­cards auf­zu­klä­ren.

An die­sem Mai­tag stellt Braun sich da­her in ei­nem vir­tu­el­len Town­hall-Mee­ting der Be­leg­schaft. Sie war­tet auf eine Er­klä­rung. Als der Vor­stands­chef das Wort er­greift, klingt er mo­no­ton wie der Ma­schi­nen­sound von Kraft­werk. Er wie­der­holt, was er stets sagt, wenn er un­ter Druck ge­rät: Man wer­de den Ak­ti­en­kurs wie­der auf alte Hö­hen hie­ven, weg von dem nied­ri­gen Ni­veau, das Wire­card zu ei­nem Über­nah­me­kan­di­da­ten ma­chen kön­ne. So er­zäh­len es Mit­ar­bei­ter da­nach. Wenn sich der Staub ge­legt habe, be­schwört Braun spä­ter, wer­de Wire­card noch im­mer der Kon­zern sein, der eine Mil­li­ar­de Euro ope­ra­ti­ven Ge­winn er­zie­le und zu den am schnells­ten wach­sen­den An­bie­tern in der Bran­che ge­hö­re.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 7/2020.