VORWÄRTS IMMER!

Tschüss Status quo, hallo Zukunft

Europa investiert 750 Milliarden Euro – und macht es besser als die USA und China.

Von Christoph Bornschein

Jede In­ves­ti­ti­on ist ein kom­mu­ni­ka­ti­ver Akt. Sie ver­rät An­nah­men über die Zu­kunft, sie skiz­ziert Hoff­nun­gen, Wün­sche und Be­fürch­tun­gen, sie macht Prio­ri­tä­ten sicht­bar. Wenn 130 Mil­li­ar­den Euro in eine strau­cheln­de Wirt­schaft flie­ßen, lohnt es sich also, sehr ge­nau hin­zu­schau­en. Das von der deut­schen Re­gie­rung im Juni auf den Weg ge­brach­te Kon­junk­tur­pa­ket ver­rät viel dar­über, wie der Staat die Zu­kunft denkt. Um mein Fa­zit gleich vor­weg­zu­neh­men: Ich hal­te die­ses Pa­ket für gut, für eine den Um­stän­den an­ge­mes­se­ne und zu­kunfts­ori­en­tier­te An­sa­ge.

Selbst­ver­ständ­lich gibt es in­halt­li­che Kri­tik­punk­te. Aber zwi­schen der ex­pli­zit ver­wor­fe­nen Ver­bren­nungs­mo­to­ren­prä­mie und dem an­ge­kün­dig­ten Aus­bau der E-Mo­bi­li­tät, zwi­schen Start-up-Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung und er­wei­ter­tem KI-Pa­ket, zwi­schen Quan­ten­com­pu­tern und di­gi­ta­ler Ver­wal­tung setzt die Co­ro­na-Hil­fe ei­nen we­sent­li­chen Im­puls in die rich­ti­ge Rich­tung: Der Fo­kus auf die Zu­kunft wird wich­ti­ger als die Be­wah­rung des Sta­tus quo. Dem er­klär­ten Ziel, als Deutsch­land und als Eu­ro­pa ge­stärkt aus der Kri­se zu kom­men, ist Olaf „Wumms“ Scholz ei­nen ent­schei­den­den Schritt nä­her­ge­kom­men.

IN KOM­BI­NA­TI­ON MIT DEM EU­ROPÄISCHEN 750-Mil­li­ar­den-Plan zur Kri­sen­be­wäl­ti­gung und zur Si­che­rung ei­ner „grü­nen und di­gi­ta­len eu­ro­päi­schen Zu­kunft“ er­gibt sich eine schlüs­si­ge Er­zäh­lung: Wir ha­ben ver­stan­den; wenn wir Eu­ro­pa schon fi­nan­zie­ren müs­sen, dann lasst uns doch ein zu­künf­tig wett­be­werbs­fä­hi­ges Eu­ro­pa fi­nan­zie­ren. Lasst uns un­se­re glo­ba­le Re­le­vanz von mor­gen auf­bau­en, statt die von ges­tern mü­he­voll zu stüt­zen. Auch das ist na­tür­lich eine idea­li­sier­te In­ter­pre­ta­ti­on, die ver­schie­de­ne Kon­flikt­punk­te und in­ner­eu­ro­päi­sche Rol­len­ver­tei­lun­gen erst ein­mal au­ßen vor lässt. Aber in Zei­ten wie die­sen freu­en wir uns über jede be­grün­de­te Hoff­nung: Es ist Zu­ver­sicht im Haus.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer manager-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 7/2020.