EDITORIAL

Risikofälle der Wirtschaft

MAR­TIN NOÉ Chef­re­dak­teur

SIG­MAR GA­BRI­EL (60) hat wie kaum ein Zwei­ter das Ver­mö­gen, für gro­ße Mo­men­te zu sor­gen. Mir ist ein Auf­tritt von ihm wäh­rend des nie­der­säch­si­schen Wahl­kampfs 2003 in Er­in­ne­rung, als er ge­gen sei­nen CDU-Her­aus­for­de­rer Chris­ti­an Wul­ff (61) an­trat. Ga­bri­el war de­pri­miert, kaum an­sprech­bar von sei­nem Tross und den be­glei­ten­den Jour­na­lis­ten, weil die Um­fra­gen zu­neh­mend für Wul­ff spra­chen. Noch wäh­rend der jun­ge Mi­nis­ter­prä­si­dent zur Hal­le ir­gend­wo in der nie­der­säch­si­schen Pro­vinz ging, wirk­te er wie auf dem Weg zu ei­nem Be­gräb­nis – bis sich die Tür öff­ne­te, der Bei­fall der War­ten­den auf­bran­de­te und Ga­bri­el eine Rede hielt, die alle an­de­ren, aber auch ihn selbst zu be­geis­tern schien.

Am Ende ging die Wahl trotz­dem ver­lo­ren, Ga­bri­el war zwi­schen­zeit­lich Pop­be­auf­trag­ter sei­ner Par­tei, ir­gend­wann dann SPD-Chef und in sei­nen Staats­äm­tern als Um­welt-, Wirt­schafts- und Au­ßen­mi­nis­ter ein Ge­winn für die Re­pu­blik. Da­bei ist er im­mer der Glei­che ge­blie­ben: Ein Mann mit gro­ßen Hö­hen und Tie­fen, der sehr viel mit sich al­lein aus­macht. Zu viel für den Ge­schmack sei­ner SPD, die von sei­nen po­li­ti­schen Ak­tio­nen re­gel­mä­ßig nur aus der Zei­tung er­fuhr und die Chan­ce zur Ra­che nutz­te, als es um die Ver­ga­be neu­er Mi­nis­ter­äm­ter ging.

Mein Kol­le­ge Mi­cha­el Frei­tag traf Ga­bri­el nun zu ei­nem lan­gen Ge­spräch in Ber­lin, just am Tag, nach­dem be­kannt ge­wor­den war, dass er den Skan­dal­schlach­ter Cle­mens Tön­nies (64) für 10.000 Euro im Mo­nat in Ex­port­fra­gen be­ra­ten hat­te (üb­ri­gens ohne dass ver­meint­lich Ver­trau­te Ga­bri­els das ge­wusst hät­ten). Das öf­fent­li­che Echo war ver­hee­rend und er­schwert Ga­bri­els zwei­te Kar­rie­re als Mul­ti­auf­sichts­rat. Frei­tag hat sich bei sei­nen neu­en Ar­beit­ge­bern Deut­sche Bank und Sie­mens En­er­gy um­ge­hört und auch her­aus­ge­fun­den, dass der Hoch­be­gab­te noch für wei­te­re Jobs im Ge­spräch war und ist – un­se­re Ti­tel­ge­schich­te „Zur Son­ne, zur Frei­heit“ le­sen Sie hier.

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