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Warum Digitali­sierung keine Schule macht

Die Rückkehr zum alleinigen Präsenzunterricht ist eine verpasste Chance. Die Länder haben versagt.
Von Christoph Bornschein

Keine Fra­ge, die Co­ro­na-Kri­se hat un­se­rer Ge­sell­schaft den über­fäl­li­gen Di­gi­ta­li­sie­rungs­schub ver­passt. Die seit Jah­ren be­reit­ste­hen­den Werk­zeu­ge wer­den end­lich ge­nutzt, wir wer­den mo­bi­ler, nach­hal­ti­ger, fle­xi­bler in Wirt­schaft, Ar­beit, All­tag. Wir ha­ben viel ge­lernt und ei­ni­ges zum Gu­ten ver­än­dert, Skep­sis ab­ge­baut und Ad­ap­ti­on be­schleu­nigt.

Doch wenn jetzt die neu­en Schul­jah­re in den deut­schen Bun­des­län­dern be­gin­nen, ist von die­ser Klar­heit nicht viel zu spü­ren. Im Ge­gen­teil schei­nen Bil­dungs­mi­nis­ter und -mi­nis­te­rin­nen auf­zu­at­men: Der Di­gi­ta­li­sie­rungs­druck, er ist dem fö­de­ra­len Bil­dungs­sys­tem fürs Ers­te von den Schul­tern ge­nom­men. Die Rück­kehr zum fron­ta­len Prä­senz­un­ter­richt scheint in greif­ba­rer Nähe, es wer­den statt E-Learning und Da­ten­schutz nur noch De­tails zu Ab­stand und Mas­ken­pflicht dis­ku­tiert. Der Prä­senz­un­ter­richt blei­be, so meint zu­min­dest Nord­rhein-West­fa­lens Bil­dungs­mi­nis­te­rin Yvon­ne Ge­bau­er, für Schü­le­rin­nen und Schü­ler die bes­te Form des Ler­nens.

ICH MÖCHTE DEN WERT VON STU­DI­EN nicht be­ur­tei­len, die na­he­le­gen, dass die In­fek­tio­si­tät von Kin­dern bei Co­vid-19 ge­rin­ger sei als die Er­wach­se­ner und dass eine Rück­kehr zum schu­li­schen Re­gel­be­trieb kein hö­he­res Ri­si­ko dar­stellt. Ich muss fest­stel­len, dass mich per­sön­lich eine „ge­rin­ge In­fek­tio­si­tät“ bei Men­schen, die ge­mein­sam vie­le Stun­den in ge­schlos­se­nen Räu­men ver­brin­gen, nicht be­ru­higt. „Schwer ent­flamm­bar“ heißt schließ­lich nicht „feu­er­fest“. Aber ich bin me­di­zi­ni­scher Laie, und die Co­ro­na-Kri­se ist für uns alle Neu­land. Als lang­jäh­ri­ger Be­glei­ter di­gi­ta­ler Neu­lan­der­kun­dun­gen je­doch er­lau­be ich mir die­ser Tage ein frus­trier­tes Stöh­nen. Dass die Schon­frist der Som­mer­fe­ri­en of­fen­bar nicht ge­nutzt wur­de, um die Dy­na­mik der ver­gan­ge­nen Mo­na­te in trag­fä­hi­ge Ver­än­de­run­gen im Schul­sys­tem zu über­set­zen, ist mir schlicht un­ver­ständ­lich. Dass der Di­gi­ta­li­sie­rungs­schub aus­ge­rech­net dort nicht an­ge­kom­men ist, wo er seit Jah­ren ge­för­dert wird, will mir nicht ein­leuch­ten. Statt­des­sen zeigt sich: All die Feh­ler, Hin­der­nis­se und Ver­mei­dungs­stra­te­gi­en, die aus Un­ter­neh­men und Be­hör­den längst be­kannt sind, wenn es um tech­no­lo­gie­ge­trie­be­ne Neue­run­gen geht – im Bil­dungs­sys­tem be­geg­nen sie mir nun wie­der.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 9/2020.