TRENDS

EIN UNGEDECKTER WECHSELFALL

PORTRÄT Als Co-Chef von Goldman Sachs hierzulande war Jörg Kukies einer der erfolgreichsten deutschen Banker. Im Finanzministerium ist er zum wichtigsten Problemlöser von Olaf Scholz aufgestiegen. Nun könnte der Wirecard-Fall eine der interessantesten Karrieren der Republik stoppen.
Von Katharina Slodczyk

GE­NOS­SE BAN­KER Erst war Jörg Ku­kies Juso, spä­ter saß er in den Tür­men von Gold­man Sachs, jetzt im Ber­li­ner 30er-Jah­re-Bau des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums: als Staats­se­kre­tär

Seine zwei­te Kar­rie­re be­ginnt mit ei­ner Nie­der­la­ge: Die Bas­ket­bal­ler des TV Lich ver­lie­ren an die­sem Sams­tag im De­zem­ber 2017 ihr Heim­spiel ge­gen Saar­lou­is, 94 zu 102. Jörg Ku­kies (52), da­mals Co-Chef von Gold­man Sachs in Deutsch­land, schaut die Par­tie in dem hes­si­schen Städt­chen mit sei­ner Frau – auf Ein­la­dung der Ver­eins­vor­sit­zen­den An­net­te Güm­bel (47). Auch de­ren Mann, Thors­ten Schä­fer-Güm­bel (50), ist da­bei, da­mals Lan­des­chef der SPD in Hes­sen.

Nach dem Spiel ge­hen sie ge­mein­sam auf ein Bier um die Ecke. Sie re­den dar­über, ob Ku­kies, der sich schon lan­ge so­zi­al en­ga­giert, un­ter an­de­rem bei sei­nem Fuß­ball­ver­ein Mainz 05, auch die Ju­gend­ar­beit des TV Lich un­ter­stüt­zen will. Im Lau­fe des Abends kom­men sie auch auf an­de­re The­men und die Fra­ge, war­um so we­ni­ge Ma­na­ger in die Po­li­tik wech­seln, an­ders als etwa in den USA. Ku­kies Ant­wort über­rascht ei­ni­ge am Tisch: „Man wird nicht ge­fragt.“

Das än­der­te sich gut drei Mo­na­te spä­ter. In Ber­lin nahm eine neue Gro­ße Ko­ali­ti­on un­ter An­ge­la Mer­kel (66; CDU) ihre Ar­beit auf, Olaf Scholz (62; SPD) zog ins Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um ein. „Ich habe bei dem Tref­fen in Lich so­fort sei­ne grund­sätz­li­che Of­fen­heit für ei­nen Wech­sel re­gis­triert und im Hin­ter­kopf ab­ge­spei­chert“, er­zählt Schä­fer-Güm­bel, der heu­te die staat­li­che Ge­sell­schaft für In­ter­na­tio­na­le Zu­sam­men­ar­beit lei­tet. Als sich die Ge­le­gen­heit bot, gab er dem Ge­nos­sen Scholz ei­nen Hin­weis.

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