WIRTSCHAFTSKULTUR

Die Freiheitslüge

Eine schwarze Autorin vergleicht die US-Gesellschaft mit Indiens Kastensystem.

Am 20. Ja­nu­ar wird mit Ka­ma­la Har­ris die ers­te, nicht wei­ße Vi­ze­prä­si­den­tin der USA ih­ren Amts­eid leis­ten. Ein Tag für die Ge­schichts­bü­cher, ein Mei­len­stein für das Selbst­be­wusst­sein der Peop­le of Co­lor. De­ren jahr­hun­der­te­lan­ge Un­ter­drü­ckung und die Ur­sa­chen da­für er­forscht „Cas­te“, seit Er­schei­nen im Au­gust viel dis­ku­tiert und un­un­ter­bro­chen auf der Best­sel­ler­lis­te der „New York Times“. Mit fast 500 Sei­ten ein Buch für Mu­ße­zei­ten – und da­her viel­leicht ide­al für die Co­ro­na-be­ru­hig­ten Weih­nachts­ta­ge 2020.

Au­to­rin Isa­bel Wil­ker­son, die für Re­por­ta­gen als ers­te Afro­ame­ri­ka­ne­rin den Pu­lit­zer­preis er­hielt, be­schreibt die USA als Kas­ten­sys­tem. Eine für den Ein­zel­nen letzt­lich kaum über­wind­ba­re Ge­sell­schafts­ord­nung, his­to­risch er­klär­bar aus der Über­le­gen­heits­ideo­lo­gie der ers­ten eu­ro­päi­schen Sied­ler und da­her, so Wil­ker­son, ver­gleich­bar mit In­di­en: Die Zu­ge­hö­rig­keit zu ei­ner Stu­fe un­aus­ge­spro­che­ner Hier­ar­chi­en wer­de von Ge­ne­ra­ti­on zu Ge­ne­ra­ti­on wei­ter­ge­ge­ben und not­falls bru­tal durch­ge­setzt. In­di­vi­du­el­ler Auf­stieg, ja selbst Pro­mi­nenz schützt nicht vor Ge­walt, wenn sie etwa im Mo­ment der Po­li­zei­kon­trol­le nicht er­kannt wird.

Das Mo­dell hilft zu ver­ste­hen, war­um asia­ti­sche Ein­wan­de­rer sel­te­ner un­ter Hass und Ab­wer­tung lei­den. Na­tür­lich hat Wil­ker­sons The­se Kri­tik pro­vo­ziert, etwa dass die wei­ße Un­ter­schicht längst selbst „Un­be­rühr­ba­re“ her­vor­ge­bracht habe. Der Glau­be an die wei­ße Über­le­gen­heit wer­de am er­bit­terts­ten von den Ver­lie­rern ver­tei­digt, kon­tert die Au­to­rin. Die De­bat­te wird wei­ter­ge­hen. Die­ser ele­gant ge­schrie­be­ne Bei­trag bie­tet da­für eine per­fek­te Grund­la­ge. 1

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 1/2021.